{"id":134552,"date":"2014-10-23T19:42:47","date_gmt":"2014-10-23T17:42:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefan-rauch.de\/?p=134552"},"modified":"2014-10-23T19:45:24","modified_gmt":"2014-10-23T17:45:24","slug":"ironman-hawaii","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stefan-rauch.de\/?p=134552","title":{"rendered":"Ironman Hawaii"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem die Erlebnisse und Eindr\u00fccke rund um das Rennen ein paar Tage auf mich wirken konnten ist es jetzt mal an der Zeit f\u00fcr einen etwas ausf\u00fchrlicheren R\u00fcckblick.<\/p>\n<h3>Vorbereitungen<\/h3>\n<p>Sieht man mal von den letzten Trainingseinheiten mit \u00a0Materialcheck usw. ab, kam f\u00fcr mich eigentlich erst ab Donnerstag Wettkampfstimmung auf. Im Vergleich zu Frankfurt war ich da aber immer noch relativ entspannt obwohl um uns herum eine riesen Pre-Race Show mit Underpantsrun und Co. abgezogen wurden und im Startbereich der Wettkampf im Posen schon auf Hochtouren lief.<br \/>\nDonnerstag war auch der letzte Termin, die Startunterlagen abzuholen. Ich war einer der Letzten, die ihr Zeug holten und wurde dabei mit einer ziemlich konfusen Meldung konfrontiert:\u00a0&#8222;We are out of timing chips. Please come back later. Sorry about that&#8220;. Anscheinend hatte die WTC kurzfristig noch ein paar Startpl\u00e4tze mehr vergeben, um noch ein bisschen mehr Profit aus der Veranstaltung zu ziehen? What ever! Also musste ich sp\u00e4ter nochmal kommen und mir meinen Chip abholen.<\/p>\n<p>Von den ganzen Events, die in der Vorwoche abliefen haben wir gar nicht so viel mitbekommen. Nationenparade, Welcome-Dinner, usw. fanden ohne uns statt. Das hatte zwei Gr\u00fcnde. Erstens war sowieso genug Trubel und zweitens rief der Veranstalter f\u00fcr Begleitpersonen beim Welcome-Dinner nochmal 50$ extra Eintritt auf &#8211; f\u00fcr ein lauwarmes Buffet an Convenience Food, dargereicht auf Styroportellern. Daf\u00fcr waren wir dann wohl doch zu vern\u00fcnftig \ud83d\ude42<\/p>\n<p>Die Tage vor dem Wettkampf hatten wir komplett auf Selbstversorgung in unserer kleinen Kona-WG umgestellt. Somit waren wir Abend vor dem Wettkampf auch zeitig mit Essen fertig und um 20.30h ging bei uns das Licht aus. Aufgrund der fr\u00fchen D\u00e4mmerung und des Jetlags: kein Problem<\/p>\n<h3>Renntag<\/h3>\n<p>Der Wecker klingelte um 3.00h. Ich wollte keinen Stress und viel Zeit f\u00fcrs Fr\u00fchst\u00fcck haben. Um 4.30h sind wir mit dem Auto in Richtung Wechselzone gefahren. Ein Ritual ist hier das \u201eBodymarking\u201c. Jeder bekommt seine Startnummer mit so lustigen Klebebildchen auf die Oberarme geklebt. Das hat 10 Minuten gedauert -ungef\u00e4hr so lange, wie die Aufkleber w\u00e4hrend des Schwimmens dann auch auf meinen Oberarmen gehalten haben ;-). Erst danach darf man sich\u00a0mit Sonnencreme oder sonstigen Antischeuermittelchen einreiben. Danach ging\u2019s nochmal auf die Waage zur Dokumentation des Kampfgewichts &#8211; hatte ich so auch noch nie erlebt.<br \/>\nNachdem ich das Rad (in der wahrscheinlich teuersten Wechselzone der Welt) entsprechend pr\u00e4pariert hatte, begab ich mich nochmal auf die Suche nach Sabrina, mit der ich einen Treffpunkt im Foyer des Kingkam Hotels ausgemacht hatte. Dann war es schon Zeit sich auf den Weg zum Schwimmeinstieg zu machen.<\/p>\n<h3>Schwimmen<\/h3>\n<p>Im Vorfeld haben mir viele Kona-Erfahrene dazu geraten, von so weit m\u00f6glich wie links zu starten, wenn ich der Schl\u00e4gerei am Anfang aus dem Weg gehen will. Da genau das mein Plan war, bin ich direkt nach dem Einstieg ins Wasser nach links au\u00dfen gepaddelt. Auch dort war es vor dem Start schon ziemlich eng in der Bucht, weil die Paddler auf ihren Boards die Leute ziemlich zusammengetrieben haben.<\/p>\n<p>Irgendwann waren dann Trommeln zu h\u00f6ren und da wusste ich, dass es jeden Moment losgeht. Dann der Kanonenschuss und ab ging\u2018s.<\/p>\n<p>Unter Wasser ist die Sicht dort so gut wie wahrscheinlich bei keinem anderen Wettkampf. Man kann 50m und weiter sehen. Es hatten sich wahrscheinlich alle, die keinen Bock auf Schl\u00e4gerei hatten dort versammelt, wo auch ich gestartet bin und so gab es \u00fcberhaupt kein Gerangel und ich konnte von Anfang frei schwimmen. Wenn man sich ein bisschen an den umgebenden Schwimmern ausrichtete, war auch die Orientierung ziemlich einfach. Bei dem Wellengang muss man halt wirklich bei jedem Zug mit dem Kopf hoch und schauen, ob man noch auf Kurs ist, weil man nur bei jedem dritten Versuch die Boje sichtet.<\/p>\n<p>Ich habe sofort gemerkt, dass das Gedr\u00e4nge etwas dichter wurde, je weiter man auf die Ideallinie an die Bojen herangeschommen ist. So habe ich bis zum Wendepunkt einen seitlichen Abstand von ca. 10m zu den Bojen gehalten. Da war wirklich entspanntes Cruisen m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Weiter drau\u00dfen war es dann schon ziemlich wellig. Ich habe ja keine Vergleiche zu den sonst durchschnittlichen Bedingungen aber die Erfahrenen haben von h\u00f6heren Wellen und einer st\u00e4rkeren Str\u00f6mung als im Durchschnitt gesprochen.<\/p>\n<p>Auf dem R\u00fcckweg ging es dann schon sp\u00fchrbar langsamer voran, weil man gegen eine Str\u00f6mung anschwimmen muss. Am Wendepunkt dachte ich mir noch: \u201eWow, schon da?\u201c Der R\u00fcckweg war dann aber entsprechend z\u00e4h. Gegen Ende haben mich die schnellsten Frauen eingeholt, die 10 Minuten nach uns gestartet sind.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.stefan-rauch.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/0813_004592.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-134562\" src=\"http:\/\/www.stefan-rauch.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/0813_004592-200x300.jpg\" alt=\"0813_004592\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.stefan-rauch.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/0813_004592-200x300.jpg 200w, http:\/\/www.stefan-rauch.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/0813_004592-682x1024.jpg 682w, http:\/\/www.stefan-rauch.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/0813_004592.jpg 1382w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Sobald man die Treppen am Pier hochgeklettert ist, hat man die M\u00f6glichkeit, sich mit ein paar Schl\u00e4uchen,das Salzwasser abzusp\u00fchlen. Davon habe ich Gebrauch gemacht, bevor es in das total \u00fcberf\u00fcllte Wechselzelt ging. Ich hatte mich f\u00fcr einen Zweiteiler als Renndress entschieden. Die Hose hatte ich schon beim Schwimmen unter meinem Speedsuit an. Das Oberteil habe ich erst im Wechselzelt angezogen.<\/p>\n<h3>Bike<\/h3>\n<p>Die ersten 14km f\u00fchren auf einer kleinen Schleife durch Kona. Auf diesem Abschnitt kam ich mir wie beim Start zu einem Radmarathon vor, so dicht war das Feld. Mir war auch gar nicht bewusst, dass es doch so lange dauert, bis man dann endlich auf den Queen-K-Highway abbiegt. Dort angekommen konnte ich aber einigerma\u00dfen frei fahren.<br \/>\nWas mich etwas irritierte: Normalerweise geht&#8217;s auf der Radstrecke f\u00fcr mich nach vorne und ich werde kaum noch \u00fcberholt. Hier war das anders. Zum einen lag\u2019s sicher an der Qualit\u00e4t des Feldes. Nimmt man mal die Legacy-Athleten und Lottery-Gewinner raus haben sich alle Teilnehmer durch eine Top Platzierung in einem anderen Rennen qualifiziert. Radfahren k\u00f6nnen dort also alle. Ein anderer Aspekt war aber sicher auch die aktuell hei\u00df diskutierte Draftingproblematik. Ein Idiot ist im Abstand von 5cm links an mir vorbei &#8211; ich w\u00e4re vor Schreck fast vom Rad geflogen. Ausgleichende Gerechtigkeit: nachdem er sich noch ein St\u00fcck weiter nach vorne gelutscht hatte, stand er mit Defekt am Stra\u00dfenrand. Ich w\u00fcnsche ja niemandem was schlechtes, aber Mitleid konnte ich f\u00fcr den Kammeraden keins aufbringen \ud83d\ude09<br \/>\nDie ersten 60km lief erstmal alles nach Plan. Ich hatte einen 37er Schnitt auf der Uhr stehen (was bei dem Streckenprofil bis dahin ganz gut war). Die Wattwerte waren allerdings nicht in dem Bereich, wie ich es erwartet hatte. Vermutlich war das ein Tribut an die Hitze.<br \/>\nAls wir die Bikestrecke besichtigt haben, war so gut wie kein Wind und ich hatte mich fast schon etwas ge\u00e4rgert, dass ich nicht doch ein 808-Vorderrad eingepackt hatte. Das \u00e4nderte sich schlagartig, als in einer bergab Passage der Wind so heftig von vorne kam, dass ich kaum noch vorw\u00e4rts kam. Die Fahrer, die hier mit hohen Felgen unterwegs waren, konnten nur noch auf dem Oberlenker fahren w\u00e4hrend ich mit meiner 303-Felge noch in der Aerohaltung liegen bleiben konnte und so ordentlich Boden gut machte.<br \/>\nIn Richtung Hawi wurde der Wind immer heftiger. W\u00e4hrend mir\u00a0die Profis schon auf dem R\u00fcckweg mit dem\u00a0Wind im R\u00fccken\u00a0mit H\u00f6chstgeschwindigkeiten entgegenkamen, k\u00e4mpfte ich mich im Schneckentempo voran. Mein Schnitt war mittlerweile irgendwo bei 32km\/h.<br \/>\nAb der Wende in Hawi kam ich dann auch in den Genuss des R\u00fcckenwinds und machte wieder etwas Boden gut. Von Beginn an hatte ich aber etwas Probleme mit dem R\u00fccken, so dass ich die Aeroposition \u00f6fters mal verlassen musste. Trotzdem lief es bis km 140 ganz gut und ich war noch zuversichtlich, eine Radzeit um 5.00h hinzubekommen. Dann kam wieder der Wind. Es ist genauso wie es mir vorher viele beschrieben hatten: Man darf einfach nicht davon ausgehen, dass man auf den Abschnitten, auf denen auf dem Hinweg der Wind von vorne kommt, er auf dem R\u00fcckweg von hinten bl\u00e4st. Das kann einen in der Birne schon echt weich machen. Zumal die gnadenlose Hitze auch nicht unbedingt zur Wohlf\u00fchlatmosph\u00e4re betr\u00e4gt. Was mich mental dann etwas gebrochen hat: Viele sagten mir vorher \u201eWenn Du mal am Airport vorbei bist, Beine hochnehmen und mit R\u00fcckenwind nach Kona pusten lassen\u201c. Das war aber nicht, weil der Wind au\u00dferplanm\u00e4\u00dfig weiter brutal von vorne kam. Meine Verpflegung sah genauso aus, wie in Frankfurt: eine 1l Radflasche voll mit 14 Gels und an jeder Aid-Station eine neue Flasche Wasser. Ich denke, dass ich auf der Radstrecke sicher 8l Fl\u00fcssigkeit aufgenommen \u2026 und auch wieder verloren habe.<\/p>\n<p>Auf dem R\u00fcckweg nach Kona kam mir schon Sebi Kienle zu Fu\u00df auf seinem Weg ins Energy Lab entgegen \u2026 und dann kam ganz lange niemand. Andi Raelert lag da auch noch gut im Rennen &#8211; ich sollte ihn sp\u00e4ter noch \u00fcberholen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"ngg_displayed_gallery mceItem\" src=\"http:\/\/www.stefan-rauch.de\/index.php\/nextgen-attach_to_post\/preview\/id--134588\" alt=\"\" \/><\/p>\n<h2>Laufen<\/h2>\n<p>Der Wechsel zum Laufen verlief unspektakul\u00e4r. Im Wechselzelt wurde ich nochmal von oben bis unten mit Sonnencreme versorgt und dann ging\u2019s los. Nach dem Radsplit war ich echt froh, als ich endlich laufen durfte. Erste Hochrechnungen zu diesem Zeitpunkt ergaben auch noch, dass eine sub 10h Zeit noch m\u00f6glich war. Ich konnte allerdings nicht die Pace aufnehmen, die ich mir vorgenommen hatte. Erst nachdem ich die Fl\u00fcssigkeit, die ich bis zu diesem Zeitpunkt zu mir genommen hatte losgeworden war, ging es mit einer ganz guten Pace in Richtung Wendepunkt auf dem Alii Drive und wieder zur\u00fcck Richtung Kona. Das war der erste Rennabschnitt, in dem ich Platzierungen gut machte.<\/p>\n<p>Als ich die Palani Road hochgelaufen war, ergab meine Sub10 Rechnung, dass es ganz sch\u00f6n knapp werden w\u00fcrde. Ich habe deshalb nochmal etwas Gas gegeben und mir kam dabei zu Gute, dass sich Wolken vor die Sonne geschoben hatten und die Temperaturen so ganz gut auszuhalten waren.<\/p>\n<p>Auf die\u00a0ber\u00fchmt ber\u00fcchtigte Stra\u00dfe zum Energy Lab war ich ja besonders gespannt. Etwas Besonderes war es an diesem Tag allerdings aufgrund der Wolken vor der Sonne und der somit fehlenden Gluthitze nicht. Auch wenn sich das ein bisschen masochistisch anh\u00f6ren mag, aber diese Erfahrung h\u00e4tte ich ja gerne noch gemacht \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Aus dem Energy Lab heraus ist mein km-Schnitt dann schon ziemlich eingebrochen und das war f\u00fcr mich dann auch der Zeitpunkt, zu dem klar war, dass ich keine Zeit unter 10h mehr schaffen kann.<\/p>\n<p>Ungef\u00e4hr 1,5km vor dem Ziel bin ich dann auf meinen Kumpel Markus Unsleber aufgelaufen, der keinen guten Tag erwischt hatte und in seiner eigentlichen Paradedisziplin immer wieder Gehpausen einlegen musste. Unserer beiden Zeitziele waren da nicht mehr einzuhalten, und so haben wir uns entschlossen die letzten Meter gemeinsam zu Ende zu bringen.<\/p>\n<p>Die letzten Meter habe ich dann ganz ohne Blicke auf die Uhr dazu genutzt, die Stimmung aufzusagen. Das war das erste mal f\u00fcr mich, dass ich nicht bis zum Schluss im Rennmodus war und mir der Wettkampf gegen andere egal war. Gemeinsam mit Markus hatte ich daf\u00fcr eine echte Schnappszahl als Endzeit: 10:10:10<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"ngg_displayed_gallery mceItem\" src=\"http:\/\/www.stefan-rauch.de\/index.php\/nextgen-attach_to_post\/preview\/id--134589\" alt=\"\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem die Erlebnisse und Eindr\u00fccke rund um das Rennen ein paar Tage auf mich wirken konnten ist es jetzt mal an der Zeit f\u00fcr einen etwas ausf\u00fchrlicheren R\u00fcckblick. Vorbereitungen Sieht man mal von den letzten Trainingseinheiten mit \u00a0Materialcheck usw. ab, kam f\u00fcr mich eigentlich erst ab Donnerstag Wettkampfstimmung auf. 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